„Nachhaltiger Konsum“ – neues Handlungsfeld in der Verbraucherbildung

Seit September 2023 gehört das EBW Oberfranken-Mitte zu den aktuell 29 Stützpunkten „Verbraucherbildung Bayern“, teilweise mit weiteren Verbundpartner*innen (u.a. die Evang. Familienbildungsstätte Bayreuth). Zeitgleich hat sich bei der Initiative „Verbraucherbildung Bayern“ durch Impulse von Dr. Martin Waßink (Geschäftsführender Vorstand und päd. Leiter des Evang. Bildungswerks Oberfranken-Mitte e.V.) ein neues Handlungsfeld ergeben: Nachhaltiger Konsum. Die AEEB sprach mit Martin Waßink über diese spannenden, auch für uns sehr erfreulichen Entwicklungen.

AEEB: Lieber Martin, bereits in deinen vorherigen Tätigkeiten als Studienleiter an der Evangelischen Akademie Tutzing sowie als Netzwerkkoordinator der Initiative „Verbraucherbildung Bayern“ hast du Dich intensiv mit dem Thema „Nachhaltige Entwicklung in der Erwachsenenbildung“ auseinandergesetzt und beschäftigt. Warum liegt Dir dieses Thema so am Herzen?
Dr. Martin Waßink: In meinem Dienst als Studienleiter in Tutzing konnte ich in Wochenendtagungen die europäischen gesetzlichen Regelungen und Möglichkeiten von Unternehmen und Zivilgesellschaft (auch Kirchen!) beleuchten, wie Geldströme so gelenkt werden könn(t)en, dass eine echte nachhaltige Entwicklung zur Bewahrung der Schöpfung möglich wird. Auch jede und jeder von uns kann da aktiv werden – da kommt die Verbraucherbildung ins Spiel: Auch bei der Geldanlage oder beim Einkauf haben wir als Einzelne*r einen gewissen Einfluss. Zum Beispiel, dass wir nicht „Greenwashing“ (Anmerk. d. Red.: Allgemein versteht man unter dem Begriff „Greenwashing“ den Versuch von Organisationen, sich insbesondere durch Maßnahmen im Bereich Kommunikation und Marketing ein „grünes“ bzw. „nachhaltiges“ Image zu geben, ohne entsprechende, nachhaltigkeits-orientierte Aktivitäten im operativen Geschäft tatsächlich systematisch umzusetzen.) unterstützen, sondern einen verantwortlichen Beitrag für den Erhalt der Schöpfung leisten. In meinem ersten Job als Vermögensberater vor 15 Jahren habe ich die Macht von Geld mehr gespürt als mir lieb war. Ich finde, wir sollten unseren Einfluss als Kundinnen und Kunden sowie Konsument*innen nicht unterschätzen. – Aber nicht nur mir persönlich liegt die Bewahrung der Schöpfung am Herzen, sondern auch dem ganzen Team im EBW Oberfranken-Mitte: unser aktuelles Schwerpunktthema im EBW, “Zukunft zuMUTen”, spiegelt das auch wider.
AEEB: Seit 1. September 2023 trägt Euer Bildungswerk Oberfranken-Mitte das staatliche Qualitätssiegel „Stützpunkt Verbraucherbildung Bayern“. Zu unser aller Freude gibt es seither und durch Impulse deinerseits nun auch ein neues Handlungsfeld mit dem Titel „Nachhaltiger Konsum“ – hierunter fallen zum Beispiel Themen wie Mobilität, Wohnen, Ernährung oder auch Energie. Kannst Du uns kurz berichten, was sich hinter diesen neuen Entwicklungen verbirgt?
Waßink: Ja, genau – zusammen mit der Evang. Familienbildungsstätte Bayreuth können wir anbieter- und produktneutrale Bildungsveranstaltungen zu den Themenfeldern “Internet und Datenschutz”, “Finanzen und Versicherungen” und eben zur Orientierung in der komplexen Konsumwelt “Nachhaltiger Konsum” fördern lassen. In meiner Zeit als Netzwerkkoordinator der Initiative Verbraucherbildung Bayern in 2021 und 2022 konnte ich das Thema “Nachhaltiger Konsum” bei Netzwerktreffen und in Abstimmungen mit dem Ministerium immer wieder setzen: An anerkannten Stützpunkten können nun sämtliche Bildungsformate, bei denen ein Bezug zwischen Umwelt-/ Klimaschutz und dem Konsumverhalten von Verbraucher*innen besteht, mit bis zu 250 Euro pro 90-minütiger Veranstaltung gefördert werden, bei spezifischen Zielgruppenangeboten sogar mit 350 Euro pro eineinhalbstündiger Veranstaltung. Als Verbundstützpunkt können wir nun mit wenig Aufwand bis zu 10.000 Euro pro Jahr für unsere programmatische Arbeit beantragen.

AEEB: Welche Zielgruppen wollt Ihr mit dem neuen Handlungsfeld „Nachhaltiger Konsum“ erreichen? Sind bereits konkrete Veranstaltungen in Planung und habt Ihr neue Kooperationspartner*innen für diesen neuen Bereich der Verbraucherbildung im Auge?
Waßink: Wir stellen in Bayreuth fest, dass es gerade auch jüngere Menschen sind, die konkrete Wege wie mit dem „forum1punkt5“ gehen. Wir haben auch einen gemeinsamen Partizipationsraum, genannt “Zukunftslabor 2035” eingerichtet. Auch „Scientists for Future“ und die lokale „Initiative zur Gemeinwohlökonomie“ sind sehr aktiv und wichtige Partner*innen. Daneben haben wir auch lebenspraktische Themen wie Online-Banking, gerade auch für Seniorinnen und Senioren, aufgenommen. Darüber hinaus haben wir eine Kooperation mit dem „Weltladen Bayreuth“ für faire Stadtspaziergänge initiiert und beteiligen uns an einer Simulation der „RegioCOP“ (Anmerk. d. Red.: regionale Klimakonferenz), die zeitgleich zur tatsächlichen in Dubai stattfindenden 28. UN-Klimakonferenz (COP) läuft. Termin: vom 30. November bis 12. Dezember 2023.

AEEB: Selbstverständlich braucht es für die Etablierung des neuen Handlungsfeldes qualifizierte Mitarbeitende. Welche Möglichkeiten haben interessierte Kolleg*innen, um sich zum Beispiel als Trainer*innen für Verbraucherbildung anerkennen zu lassen? Wohin können sich Einrichtungen wenden, um sich über die Anerkennung als Verbraucherstützpunkt zu informieren oder sich mit anderen Verbraucherstützpunkten zu vernetzen?
Waßink: Grundsätzlich ist es so, dass für die Anerkennung als (freiberuflicher) Trainer*in mit dem Qualitätssiegel “Trainer*in Verbraucherbildung Bayern” inhaltliche und pädagogische Kenntnisse in einem der drei oben genannten Themenfelder sowie Knowhow in der Verbraucherarbeit von einem Expertengremium geprüft werden. Die Kriterien zur Auszeichnung als „Anerkannter Trainer*in Nachhalter Konsum“ werden gerade erarbeitet, die neue Anerkennungsschiene für „Nachhaltigen Konsum“ soll dann ab April 2024 umgesetzt werden. Auch das wird eine der Aufgaben bei der „Koordinierungstelle Verbraucherbildung Bayern“ sein, für die die AEEB ab Januar 2024 die Trägerschaft übernehmen wird. Dorthin können sich Einrichtungen und interessierte Kolleg*innen bald hinwenden.

Interview: Sabine Löcker

Zur weiteren Info

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Veranstaltungen zum Programm-Schwerpunktthema „Zukunft zuMUTen“ des EBW Oberfranken finden Sie hier

Verbraucherbildung Bayern: Mit der Initiative und dem dazugehörigen Qualitätssiegel stellt das Bayerische Verbraucherschutzministerium die Neutralität und Qualität von Angeboten der Verbraucherbildung in der Schule und für Erwachsene sicher. Die Initiative wird vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz, von den staatlich anerkannten Trägern der Erwachsenenbildung sowie den bayerischen Verbraucherverbänden, der Verbraucherzentrale Bayern und dem VerbraucherService Bayern, unterstützt. Gemeinsam achten sie durch Begleitung, Evaluation und Weiterbildung auf die Qualität der Angebote.

Das Qualitätssiegel „Verbraucherbildung Bayern“ ist markenrechtlich geschützt. Es steht für neutrale und verlässliche Verbraucherbildung. Schulen erhalten das Siegel für ihr Engagement als Partnerschule Verbraucherbildung, Einrichtungen der Erwachsenbildung und Referent*innen der Erwachsenbildung, wenn sie als Stützpunkte Verbraucherbildung bzw. Trainer*in Verbraucherbildung anerkannt sind.

Einen Link zur Website „Verbraucherbildung Bayern“ finden Sie hier

Einen Link zum Leitfaden für die Anerkennung zum „Stützpunkt Verbraucherbildung Bayern“ erhalten Sie hier

forum1.5: ist eine Plattform für alle, die sich in Bayreuth und der Region Oberfranken für eine klimagerechte Zukunft einsetzen. Ziel des forum1.5 ist es, möglichst viele Akteure aus allen Bereichen der Gesellschaft zusammen zu bringen. Die Plattform ermöglicht es, gemeinsam am Klimaschutz in Bayreuth und der Region Oberfranken zu arbeiten. Durch den Austausch wird ein Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik ermöglicht. So werden Wissenslücken geschlossen und schließlich greifbares Handlungswissen für mehr Klimaschutz generiert. Zentral für das forum1.5 sind die halbjährlichen Veranstaltungen. Jeweils im Frühjahr und im Herbst werden Erfahrungen ausgetauscht, Wissen weitergegeben und gemeinsam neue Ideen Strategien entworfen, um den Weg in eine nachhaltige Zukunft in Bayreuth und der Region Oberfranken wirksam zu gestalten. Wichtig sind dabei sowohl die transdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Gesellschaft als auch der enge Austausch mit Praxisakteur*innen.

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