AEEB Interview: Was es jetzt braucht, ist vor allem Mut!

„Wir kriegen das hin! Wir kriegen alles hin!“ (Leitsatz von Bernd Heinze, EBW Landshut)

Die von Bundeskanzler Scholz vielgepriesene Zeitenwende lässt sich dieser Tage nicht nur in der großen Politik, sondern auch in der Evangelischen Erwachsenenbildung (EEB) verspüren. Worin aber liegen grundsätzliche Veränderungen, sprich eine Zeitenwende, in der Bildungsarbeit? Was ist jetzt für die Zukunft der EEB wichtig und warum lässt sich mit kreativen Projektideen punkten? – Die AEEB sprach mit Bernd Heinze, langjähriger Geschäftsführer und pädagogischen Leiter des EBW Landshut und seit dem 1. Dezember 2022 im Ruhestand.

AEEB: Lieber Bernd, wenn du auf deine jahrzehntelange, erfolgreiche Arbeit in der Evangelischen Erwachsenenbildung zurückblickst. Was sind deiner Ansicht nach die größten Herausforderungen, mit denen sich die EEB in den kommenden Jahren auseinandersetzen muss?

Bernd Heinze: Schon immer war und ist die kirchliche Erwachsenenbildung gesellschaftlichen Strömungen, finanziellen Zwängen und technologischen Neuerungen unterworfen. Gleichwohl werden wir uns in den kommenden Jahren wieder einmal neue Herausforderungen stellen müssen. Hat die Corona-Pandemie und die damit einhergehende Digitalisierung deutlichste Spuren in der Erwachsenenbildung hinterlassen, so bedeutet jetzt der furchtbare Krieg in der Ukraine mit den starken finanziellen Belastungen in Deutschland und in ganz Europa starke Veränderungen auch in der kirchlichen Erwachsenenbildung. Wir leben in sehr bewegten Zeiten und dazu kommen deutlich veränderte gesellschaftliche Strömungen und ein verändertes Verbraucherverhalten hinzu. Die „gute alte“ Erwachsenenbildung, also Vortrag im Frontalunterricht, ist ein Auslaufmodell und ihre Umsetzung wird immer schwerer.

AEEB: Welche neuen (Denk-)Ansätze/ Veränderungen sind entscheidend und notwendig, um die EEB zeitgemäß und zukunftsorientiert aufzustellen?

Heinze: Vor allem brauchen wir Mut! Mut zur Veränderung, Mut für die Umsetzung innovativer Ideen, Mut, etwas Neues anzupacken. Gerade in der kirchlichen Erwachsenenbildung ist es möglich, innovative und ungewöhnliche Projekte anzugehen und diese erfolgreich umzusetzen. Kirchliche Erwachsenenbildung muss lernen, etwas zu wagen, auch in finanzieller Hinsicht. Wir müssen Räume anbieten an ungewöhnlichen Orten, wir müssen Menschen an uns binden, die engagiert sind, aber bezahlbar; wir müssen Projektpartner gewinnen, weil wir nur in einer Vernetzung viele Teilnehmende erreichen können. Wir müssen Partnerschaften eingehen. Zum Beispiel mit Sportvereinen und Kulturinstitutionen. Mit der Gewerkschaft, mit allen Sozialverbänden, Arbeitsagenturen, Künstlergruppen. Auch mit Seniorenheimen, Hospize, der Industrie- und Handelskammer, den Arbeitgeberverbänden. Es stehen uns so viele Möglichkeiten offen, aber wir brauchen Fantasie, Kreativität und viel, viel Mut.

AEEB: Neben traditionellen Bildungsangeboten ist das EBW Landshut bekannt für seine ungewöhnlich kreativen Projektideen – zum Beispiel das so genannte Pop-up-Cafe, das im vergangenen Herbst/Winter für einige Wochen seine Türen öffnete. Warum liegen Euch solche Aktionen besonders am Herzen bzw. warum sind diese neuen (Bildungs-)Wege für unsere kirchliche Erwachsenenbildung so bedeutsam?

Heinze: Die allesmeisten Bildungsmaßnahmen, die wir in den vergangenen Jahren im ebw Landshut initiiert und umgesetzt haben, wurden zu einem Erfolg! Mit diesen Erfahrungen traut sich mein Team heute enorm viel zu. Mit dieser „breiten Brust“ planen wir auch ungewöhnliche Projekte und führen diese durch. Dabei ist uns aber immer der Charakter der Bildungsarbeit wichtig, auch wenn unsere Veranstaltungen nicht immer nach dem Erwachsenenbildungsförderungsgesetz (BayEbFöG) abgerechnet werden. Kirchliche Erwachsenenbildung muss die Menschen erreichen! Kirchliche Erwachsenenbildung ist auch ein Stück gemeindliche Bildungsarbeit. Menschen für Kirche zu interessieren, für die kirchlichen Institutionen, für die Arbeit, für unser Anliegen, das ist auch eine Aufgabe, der wir uns widmen.

AEEB: Eines Eurer aktuellen Highlights ist ein Weihnachtssingen im Landshuter Eisstadion (siehe dazu unser Newsletter-Spotlight). Steht darüber hinaus noch ein besonderes Bildungsprojekt auf der Agenda des EBW?

Heinze: Unser aktuell größtes und wichtigstes Bildungsprojekt ist die Mithilfe bei der Bewältigung der Integration der Menschen aus der Ukraine. Dabei stehen das Erlernen der deutschen Sprache in unserer Einrichtung sowie viele weitere integrative Maßnahmen im Vordergrund. Neben der Anmietung neuer Räume haben wir auch vier Kolleginnen und Kollegen als Projektbetreuer, Lehrer und Dolmetscher eingestellt. Aktuell lernen ca. 60 Flüchtlinge aus der Ukraine bei uns deutsch.

AEEB: Schwer vorstellbar, aber seit einigen Tagen bist du offiziell im Ruhestand. Was sind deine Pläne für die kommende Zeit und wirst du dich auch weiterhin für die Erwachsenenbildung in Bayern engagieren?

Heinze: Mein Ruhestand stellt keinen großen Umbruch im Evangelischen Bildungswerk Landshut dar. Auch persönlich verläuft er recht unspektakulär. Das EBW-Team ist engagiert und funktioniert weiterhin. Meine Nachfolgerinnen (Anmerkung der Red.: siehe dazu die Newsletter-Personalie) haben viele innovative Ideen. Und selbstverständlich bin ich auch zukünftig auf lokaler Ebene für die evangelische Erwachsenenbildung da.

AEEB: Last but least möchte sich die AEEB an dieser Stelle nochmals ganz herzlich und offiziell bei Dir für die jahrzehntelange, tolle Zusammenarbeit bedanken. Wir wünschen Dir von Herzen alles Gute für die Zukunft und: AUF WIEDERSEHEN…

Interview: Sabine Löcker (AEEB)

Einen Link zur Website des EBW Landshut finden Sie hier

P.S.: Wer die Nachfolge von Bernd Heinze im EBW Landshut übernimmt? – Lesen Sie dazu unsere Personalien in diesem Newsletter.

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