AEEB Interview: Einfach mitmachen – ein Modellprojekt zur Ehrenamtskoordination

Evangelische Kirche lebt von Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren!” (Norbert Räbiger, EBW Weilheim)

Zu den wesentlichen Aufgaben des Amtes für Gemeindedienst (AfG) der ELKB gehört es, ehrenamtliches Engagement in Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen zu fördern und zu vernetzen sowie die Zusammenarbeit von ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeitenden zu unterstützen. Um diesem hohen Anspruch gerecht zu werden, hat das AfG im Mai dieses Jahres ein weiteres Projekt zur Ehrenamtsausbildung im Kirchenkreis München und Oberbayern gestartet: „Einfach mitmachen – ein Modellprojekt zur Ehrenamtskoordination“. Die AEEB sprach mit Diakon Norbert Räbiger (Geschäftsführung und pädagogische Leitung im EBW Weilheim), der das Projekt als Moderator begleitet, über Inhalte, Ziele und erste Erfolge.

AEEB: Lieber Herr Räbiger, welche Inhalte und Ziele stecken hinter dem Projekt „Einfach mitmachen – ein Modellprojekt zur systematischen Ehrenamtskoordination“?

Norbert Räbiger: Evangelische Kirche lebt von Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Sie bringen ihre Gaben, ihre Zeit und ihr Herz in die Arbeit ein. Für die Ideen dieser Menschen muss Kirche offen sein und Menschen Räume für ihr Engagement öffnen. Das Projekt „einfach mitmachen“ entwickelt mit Vertreter*innen aus Kirchengemeinden, wie Menschen für ein Engagement gefunden werden können, wie der Beginn gestaltet werden kann, wie sie befähigt und begleitet werden, wo sie Beratung bekommen, wie das Engagement vor Ort angemessene Wertschätzung erfährt, wie das Engagement aber auch wieder beendet wird etc. Mit den teilnehmenden Gemeinden werden Konzepte entwickelt, die dann vor Ort umgesetzt werden.

Das Amt für Gemeindedienst hat mehrere Kurse zur Ehrenamtskoordination angeboten. Ehren- und Hauptamtliche haben sich zu Ehrenamtskoordinator*innen ausbilden lassen und dann versucht, die neuen Kompetenzen vor Ort einzubringen und umzusetzen.

Bei diesem Modellprojekt findet vor Ort in den Kirchengemeinden eine Beratung statt. Die Projektteams werden bei der Entwicklung eines Konzepts unterstützt. Dadurch können viele Inhalte gleich in die Praxis übertragen und umgesetzt werden. Im Zeitraum von Mai 2022 bis zum Frühjahr 2023 wird jede der teilnehmenden Gemeinden von einem Beraterteam begleitet. Bei mehreren Beratungstreffen werden dann die Konzepte entwickelt. Die Beraterteams stehen den teilnehmenden Gemeinden während des Projektzeitraums aber auch beratend über Telefon- oder E-Mail-Kontakte zur Verfügung.

AEEB: An wen richtet sich das Projekt konkret und warum hat sich das EBW Weilheim für die Teilnahme entschieden?

Räbiger: Das Pilotprojekt wurde vom Amt für Gemeindedienst mit dem Kirchenkreis München und Oberbayern entwickelt und richtet sich an die Kirchengemeinden im Kirchenkreis. 10 % der Kirchengemeinden aus unterschiedlichen Dekanaten beteiligen sich an diesem Projekt. Spannend ist dabei, dass auch ein ökumenisches Projekt teilnimmt.

Es ist nicht so, dass sich das EBW Weilheim an der Beratung beteiligt. Für das Projekt wurden unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Arbeitsbereichen und Kontexten angefragt. Neben Teammitgliedern aus dem Amt für Gemeindedienst, ist auch eine Kollegin aus dem Amt für Jugendarbeit dabei, Mitarbeiterinnen aus dem PuK-Projekt, eine Gemeindepfarrerin, der Regionalbischof, die Referentin des Regionalbischofs und ich als Referent im Dekanat Weilheim für Konzeptionsentwicklung, Öffentlichkeitsarbeit und Erwachsenenbildung.

Dennoch sehe ich eine große Chance in dem Projekt, auch die Arbeit des EBW Weilheim mit Ehrenamtlichen weiterzuentwickeln und Aspekte aus dem Projekt in den Dekanatsbezirk, in die Kirchengemeinden und Einrichtungen einzubringen und die Arbeit vor Ort an die Herausforderungen anzupassen, so wie ein Fortbildungsprogramm aufzusetzen, das die Bedarfe der Ehrenamtlichen im Blick hat.

AEEB: Als Moderator der Ehrenamtsausbildung wirken Sie beratend und begleiten das Projekt von Anfang an. Was sind Ihre Eindrücke nach den ersten Wochen? Lassen sich bereits (kleinere) Erfolge vermelden?

Räbiger: Mit meiner Kollegin Barbara Gruß war ich bisher (Ende Juni) in zwei der drei Gemeinden, die wir beraten. Und ja, wir konnten eine Veränderung im Denken der Projektteams in den Kirchengemeinden wahrnehmen. Sie beschäftigen sich intensiv mit dem Ehrenamt, wie es bisher in den jeweiligen Kirchengemeinden gelebt wird, und damit, wie eine systematische Ehrenamtskoordination aufgebaut werden kann. Dabei hilft als Grundgerüst die sogenannten 8Bs (beginnen, befähigen, begleiten, beraten, bezahlen, beteiligen, bedanken, beenden). Die Mitglieder der Projektteams stoßen schnell auf Punkte, die auch über das Projektteam hinaus in den Gemeinden diskutiert und ggf. verändert werden müssen.

AEEB: Aus Ihrer persönlichen Erfahrung heraus – wie beurteilen Sie die derzeitigen Entwicklungen des Ehrenamtes im Kirchenkreis München und Oberbayern? Was denken Sie wird in Zukunft für uns alle wichtig sein?

Räbiger: Das ist keine leichte Frage. Es gibt keine pauschale Antwort darauf. Manche Gemeinden können auch nach den Lockdowns während der Corona-Pandemie auf eine großen Pool ehrenamtlich Engagierter aufbauen, in anderen Gemeinden führte die Pandemie zu Abbrüchen.

Ich denke jedoch, dass wir ein anderes Bild vom Ehrenamt entwickeln müssen. Oft werden Ehrenamtliche für eine bestimmte Aufgabe gesucht. Die Aufgabe wird von Kirchenvorständen, Hauptamtlichen oder auch von anderen Ehrenamtlichen definiert. Wenn man dafür Menschen findet, die sich dann engagieren, hat man Glück.

Ein anderer Blick auf das Ehrenamt wäre: Wir sind offen für Eure Ideen. Habt Ihr Lust, Euer Bild von Kirche zu verwirklichen? Wir unterstützen Euch dabei. Das ist ein komplett anderer Ansatz. Aber ich glaube, wenn wir unseren Anspruch Kirche für die Menschen zu sein ernst nehmen, müssen wir uns auch darauf einlassen, dass Menschen eine andere Idee von Kirche, von Gemeinschaft haben, als wir. Das ist eine riesige Chance für Kirche. Das führt zu einer ganz anderen Beteiligung und vielleicht auch Verbundenheit.

Und wir dürfen nicht zu sehr auf die Abbrüche schauen und in einer Trauer hängenbleiben. Stattdessen müssen wir Aufbrüche wagen, die neue Ideen fördern.

Interview: Sabine Löcker (AEEB Presse- und Öffentlichkeitsarbeit), Foto: Amt für Gemeindedienst

Weitere Infos zu „Einfach mitmachen – ein Modellprojekt zur Ehrenamtskoordination“ hier

Projektbeschreibung zu “Einfach mitmachen” hier

Website „forum ehrenamt“ im Dekanat Weilheim hier

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